Vor einiger Zeit stellte ich einen Artikel on in dem ich über ein Event schrieb bei dem ich als Gastrednerin über das Frausein aus Trans*-Personensicht berichtete. Unter anderem brachte ich in dem Artikel die Frage "Sind wir Trans*Person in den Augen von CIS-Frauen eine Lächerlichkeit?" zur Sprache, auf die ich heute eingehen möchte.
In meinem Alltag war ich schon immer von Frauen ungeben, ganz ehrlich, als (Trans)Frau zog es mich in Sachen Kontakt von jeher zu Frauen. Warum das so ist liegt klar auf der Hand - als (Trans)Frau möchte ich die selben Interessen, Aspekte und Vorlieben teilen, ganz zu schweigen von Emotionen, Passion, persönlichen Dingen oder mentalen Empfindungen. Kurios ist, daß für mich als Gay-Transe Männer als Freunde eher zweitrangig sind, aber das soll hier keine Rolle spielen.
Als (Trans)Frau Kontakt zu CIS-Frauen aufzunehmen fiel mir eigentlich schon immer leicht. Nur ist es damit nicht getan, eine Bekanntschaft zu machen ist easy, nur wie geht es danach weiter? Mit neuen Bekanntschaften strebe ich meist ein freundschaftliches Verhältnis an und habe so über die vielen Jahre einen sehr vertrauensvollen CIS-Frauen Freundeskreis aufgebaut. Interessant finde ich dabei, daß ich diese Frauen nie hätte kennengelernt, wenn ich keine (Trans)Frau wäre denn in diesem Umfeld teilen wir so ziemlich alles, wobei Transparenz für uns an erster Stelle steht. Transparenz steht für Vertrauen welches für mich die Basis bildet um in diesem Freundeskreis zu 100% als "Frau" akzeptiert zu werden.
So einfach es für mich ist mich in diesem Umfeld zu bewegen, kann ein Blick hinter so manche Fassade ganz andere Wahrnehmungen bezüglich Trans*-Akzeptanz bringen. Ich erwähne ganz gerne, daß ich im heutigen Alltag auf recht wenig Intoleranz treffe und so als (Trans)Frau easy meinen täglichen Dingen unbeschwert nachgehen kann. Betrachte ich das aber differenzierter, kommen durchaus ganz andere Eindrücke hervor. In den 20 Jahren die ich nun offen als Frau lebe, kam/komme ich täglich mit CIS-Frauen in Kontakt, sei es im Job (Mitarbeiterinnen oder Kundinnen), beim Shoppen, beim täglichen Einkauf, auf Partys, im Beauty Salon, Friseur, bei Familien meiner Freunde oder sonst wo.
Auch bin ich in der regionalen Trans*-Community bei Events, Seminaren/Tagungen vertreten oder in Schulen. Nehme ich letzteres mal als Beispiel, so sprach ich vor einer Schulkasse über LGBTQ Themen was die wenigstens interessierte, ich nahm sogar transfeindliches Getuschel wahr wie bsw. "was ´ne Schwuchtel" oder lachten direkt über mich - sehr verletztend ;)
Die oberflächliche Toleranz die ich im Alltag erfahre ist für mich längst Routine, wobei ich auch erwähnen muß, daß es viele überhaupt nicht interessiert - ich laufe täglich an so vielen Menschen vorbei die mich nicht als Trans* wahrnehmen und schlicht mit sich selbst beschäftigt sind. Vor allem sollte auch bedacht werden, daß ich morgens NICHT mit dem Gedanken aus dem Haus gehe, daß ich ´ne Transe bin - über meine Persönlichkeit denke ich überhaupt nicht mehr nach. Ich entschied mich mit 15 Jahren als Frau leben zu wollen und seitdem ist mein Gehirn auf diese Rolle programmiert!
Ok, zurück zu den CIS-Frauen. Leider habe ich schon oft festellen müssen (aus eigener Erfahrung oder es wurde mir von anderen Trans*-Personen erzählt), daß wir für manche/einige/viele (you name it) CIS-Frauen ´ne Lächerlichkeit darstellen. CIS-Frauen wollen richtige Männer, keine verkleideten "Tunten". Ich habe Frauen schon spötteln hören "...da hat sich der Typ in ´nen Tanga gezwängt, seine Eier haben rausgeschaut und den Penis hat er auch versucht reinzustopfen, hihihihihihih..." Aber auch abseits von sowas intimen können CIS-Frauen wenig Euphorie für Transfrauen aufbringen "...der Typ hat echt Make Up aufgelegt" oder "was issen das für einer, trägt der ´ne Handtasche?".
Ich merke auch heute oft in vielen Haushalten, daß das übliche Rollenbild der Geschlechter noch sehr vertreten ist, dabei müsste man denken, daß jüngere Generationen (Gen Z) aufgeschlossener wären, aber auch hier stelle ich unter jungen Frauen recht häufig fest, daß sie Trans* für lächerlich halten. Das macht es jungen Trans*-Personen natürlich überaus schwer unter Gleichaltrigen Freunde zu finden, bzw. es überhaupt offen leben zu können.
Fasse ich zusammen, was erwartet Trans*-Personen in heutiger Zeit von CIS-Frauen: das ganze kann ich in drei Kategorien aufteilen:
1. tolerant im Freundeskreis: Akzeptanz finde ich am ehesten in meinem Freundeskreis, also bei Menschen die ich schon lange kenne und denen es vollkommen egal ist welches Rollenbild man einnimmt.
2. Alltag: bewege ich mich im Alltag öffentlicht, gehe einkaufen, schließe Transaktionen ab oder habe sonst irgendwelchen Kontak zu fremden Menschen spielt es für sie in den meisten Fällen keine Rolle ob ich als Trans* ihnen gegenüber bin. Ich könnte es auch so formulieren, daß ich unter dem Radar bin und die meisten Leute gar nicht darauf achten mit wem sie es zu tun haben. Grundsätzlich werde ich hier immer freundlich behandelt, was letztlich nicht an meinem Trans*-Hintergrund zu suchen ist, sondern weil ich als Kunde oder Mensch gesehen werde der einfach ein Geschäft tätigen möchte.
3. vorhandene Intoleranz: abseits dessen von mir gerade erwähnten anerkennenden Aspekten herrscht in dt. Haushalten noch viel Ablehnung, die Gründe dazu sind vielfältiger Natur. Einer davon wird bei vielen ein konservatives Rollenbild der Geschlechter sein, ein anderer, den ich viel gravierender finde (!!!), ist die Darstellung von Trans* in diversen Medien-Plattformen. Der Großteil der Gesellschaft hatte bisher kaum Kontakt zu Trans*-Personen, wobei deren Wissen, Grundlagen oder Zusammenhänge entweder nicht vorhanden oder überzogen sind. Wenn Transen in den Medien als schrill, auffallend und skurril dargestellt werden, dann muß das natürlich auch auf alle zutreffen. So entstehen Vorurteile was zu Ablehnung und Intoleranz führt.
Das ein Alltag von Trans*-Personen gänzlich anders abläuft wissen die meisten gar nicht. Die sehen nur eine Conchita Wurst mit Vollbart und in Damenmode und schon haben sie sich ein Bild von einer "lächerlichen Transe" gemacht. Wirklich förderlich ist das für uns überhaupt nicht. Das Problem ist, daß die Gesellschaft keine Trennung zwischen Show-Trans* und Alltags-Trans* kennt und somit alle in eine Schublade steckt.
Bin ich auf Feiern von meinen Freunden und treffe dabei auf andere (mir fremde) Gäste, ist es stets ein Balanceakt wie diese reagieren. Mit den einen kommt man in ein Gespräch, die anderen meiden einen komplett und werfen mir noch verwirrte Blicke zu. Getuschel kommt meist auch auf, wo dann hinter vorgehaltener Hand über mich gewitzelt oder gerätselt wird. Früher machte mich so ein Verhalten nervös, heute stehe ich durch mein hohes Selbstwertgefühl einfach drüber. Unter dieser Grundlage werden wir auch in Zukunft eher belächelt, als akzeptiert - leider auch von CIS-Frauen.
So meine Damen, jetzt habe ich ´ne Menge geschrieben und ich hoffe ihr seit drangeblieben ;)
Schreibt mir gerne eure Ansichten.
Like RosaX, Wanda-Sex, Lustmolch908 and 1 more…